Kampfgeschwader 633

 

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Inhalt

Screenshot Kampfgeschwader 633 erzählt die Geschichte eines erfolgreichen Britischen Bombergeschwaders während des 2. Weltkrieges und seines Kommandeurs Roy Grant. Das Geschwader wird dabei mit einer Spezialmission betraut: Es soll in Zusammenarbeit mit lokalen Partisanen durch ein riskantes Flugmanöver eine deutsche Raketentreibstofffabrik in Norwegen mit Spezialbomben vernichten, um Raketenabschüsse auf England zu verhindern. Zuerst wenig angetan von der Geheimmission, entwickelt sich aber bald für Grant eine Freundschaft zum Partisanenführer und Verbindungsoffizier Erik Bergmann (George Chakiris) und eine Liebesbeziehung zu dessen Schwester Hilde (Maria Perschy). Im Vorfeld steht ein hartes und gefährliches Training für das Geschwader auf dem Programm und kurz vor Missionsbeginn gerät Bergmann in deutsche Gefangenschaft. Grant erhält den Befehl zum Schutz der Mission seinen eigenen Freund durch Bombardierung des norwegischen Gestapogefängnisses zu töten, was er auch ausführt und dabei Hildes Liebe aufs Spiel setzt. Hilde kann im aber trotzdem verzeihen und so kommt es im Zuge dieser Verwicklungen um den Partisanenführer zur Vorverlegung des Kampfeinsatzes. Schließlich wird der gefährliche Kampfeinsatz durch die Vernichtung der unterstützenden Partisanenverbände vollständig zum Himmelfahrtskommando, da diese die Flugabwehr nicht ausschalten konnten. Doch Grant bricht den Einsatz nicht ab sondern er und sein Geschwader bombardieren unter schweren Verlusten die Fabrik, und können den Auftrag erfüllen. Allerdings werden Grant und seine Maschine getroffen und er stirbt kurz nach der Notlandung in einem norwegischen Waldstück. nach oben

Schwerpunkte der Fliegerfilme

Faszination Fliegen

Screenshot Ein großer Teil des Films wird dem Training der Fliegerstaffel für den Bombenabwurf eingeräumt. Dabei gilt es für die Piloten über sich hinaus zu wachsen und ihr fliegerisches Können in einem riskanten Manöver zu beweisen und eine Bombe zielgenau auf einen Felsvorsprung abzuwerfen. Auch der finale Einsatz wird als fliegerische Höchstleistung dargestellt, da die Piloten trotz feindlichen Jägern und Bodenbeschuss ihre Mission erfüllen.

Ein weiteres Motiv das auch typisch für einen Fliegerfilm ist sind mehrere Notlandungen während des Films, sei es auf dem Heimatflughafen oder während des Kampfes. nach oben

Heldentum, Kameradschaft

Screenshot Wie in vielen anderen Fliegerfilmen stellt in Kampfgeschwader 633 das Geschehen in und um eine Fliegerstaffel den Schwerpunkt des Films dar. Das Geschwader ist dabei in diesem Film vollständig durch freundschaftlich verbundene Piloten repräsentiert die hundertprozentig loyal zu ihrem Kommandanten Grant stehen und somit klar „die guten Jungs“ gegenüber den bösen Feinden im Film bilden. Anders als in ähnlichen Filmen gibt es also keine Konkurrenz, Verräter oder kritische Einstellungen zum Befehlshaber, sondern die unbedingte Kameradschaft in der Staffel und die Bereitschaft für die Anderen in den Tod zu gehen stehen im Vordergrund. Der Held des Films, Kommandeur Roy Grant, spielt im Film sogar eine einem antiken griechischen Helden ähnelnde Rolle, der die Liebe zu einer Frau aufs Spiel setzt und einen Freund töten muss um seine Mission zu retten, schließlich erfolgreich ist aber als tragischer Held auf dem Schlachtfeld stirbt. Wie in vielen anderen Fliegerfilmen wird der Held als genialer aber eigenwilliger Pilot und Anführer sowie Frauenheld dargestellt.

Im Einsatz des Geschwaders ist es wie oben erwähnt selbstverständlich sein Leben für die Kameraden und den Erfolg der Mission zu opfern. Das Motiv, das einige Wenige Opfer für das Wohl von vielen geben ist das Zentralmotiv des Films. Dies wird im Film klar gezeigt: Kommandeur Grant bricht den Einsatz nicht ab nachdem er die Information erhält das ein Erfolg nahezu unmöglich ist und eine feindliche Übermacht und somit der sichere Tod auf seine Staffel wartet und die Piloten opfern sich im Kampfeinsatz um ihre Kameraden aus Notlagen zu retten.
Screenshot Gegenüber dieser starken Darstellung heroischer Taten gibt es aber auch einige Szenen die den Heldenmut ein wenig differenzieren, ein großer Bezug zum Einsatz von allen für das Vaterland den man in anderen Kriegsfilmen sehen kann gibt es z.B. eher weniger. Der Film beschränkt sich in der Glorifizierung alleine auf die Fliegerstaffel und die Partisanenverbände und stellt so vielleicht eine Widmung an die kämpfenden Truppen und niederen Dienstränge im 2. Weltkrieg dar. Schon Grants Vorgesetzter Oberst wird im Gegensatz zu den Piloten als recht kaltblütig dargestellt, für den jede Fliegerstaffel ersetzbar ist. Auch ist Grants Opferbereitschaft für die Mission mehr in einer Verpflichtung gegenüber seinen Kameraden und seinem Freund zu sehen der bereits sein Leben geben musste, als in der Bereitschaft sich für sein Vaterland zu opfern. Grant bezeichnet seine Tätigkeit am Anfang relativ salopp als seinen „Job“ den er macht, das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Mission erhält er gerade erst durch seinen Freund Bergmann den Freiheitskämpfer, für den der nationale Aspekt eine große Rolle spielt. nach oben

Gefahr beim Fliegen

Screenshot Auch in diesem Film ist die Gefahr die mit der Fliegerei verbunden ist ein Thema. So stürzt einer der Piloten während eines Trainingsfluges ohne Feindeinfluss durch ein zu riskantes Flugmanöver ab und eine Luftkollision sowie mehrere kritische Flugsituationen, und Notlandungen werden gezeigt. Der Tod wird zwar in vielen Szenen thematisiert (Grant kann seinen Copiloten nicht aus einem brennenden Flugzeugwrack retten und muss wie erwähnt einen Freund töten), wirkt sich aber nach den Szenen nicht spürbar z.B. auf die Moral der Crews oder Grants Qualitäten als Anführer aus, wie es in anderen Filme wie z.B. Der Kommandeur der Fall ist. nach oben

Romanzen & Liebesstories

Screenshot Die Liebesgeschichte ist in einem für Fliegerfilme klassischen Motiv umgesetzt (siehe Top Gun, Test Pilot): Der Held Grant verliebt sich in die Schwester seines Freundes. Die Liebe wird auf eine Probe gestellt, aber am Ende doch bestätigt. Auch in diesem Film nimmt die Frau eher eine passive Rolle ein, und muss am Boden bleiben. Der Filmkuss erfolgt in bester Tradition zur Mitte des Films. nach oben

Kampf Mensch gegen Mensch, Mensch gegen Technik

Unter diesem Aspekt ist für diesen Film interessant, dass der Feind (in diesem Fall die Deutschen) während des Films nur in Nebenrollen in Erscheinung tritt, und speziell im Luftkampf nur als Feindflugzeuge deren Piloten unbekannt bleiben nach oben

Cast

Wichtigsten Personen in Haupt und Nebenrollen bereits in den ersten Filmminuten auftreten (Held, Staffelcrews, Oberkommando, Verbündete) und weitere Personen nur in kurzen Nebenrollen oder als Statisten auftreten. Auch hier liegt der Fokus ganz auf der Fliegerstaffel. nach oben

Technische Umsetzung

Screenshot Während Starts und Landungen, sowie ereignisloser Flug mit einigen vorhandenen realen Flugzeugen gedreht wurden mussten für die Aufnahmen von Luftkämpfen, Abstürzen etc. Flugzeigmodelle verwendet werden. Während man diese Tatsache aber z.B. in dem etwas später erschienenen Film Luftschlacht um England auch mit höherem technischen und damit wahrscheinlich auch finanziellem Aufwand, gut verdeckt, ist bei Kampfgeschwader 633 die Verwendung von Holzmodellen sehr offensichtlich. Screenshot So lässt sich in den zentralen Bombenabwurfaufnahmen des Films die Landschaft als Miniaturausgabe mit Pappmache und der Flug der Bomber als zu sprunghaft für ein real tonnenschweres Flugzeug erkennen. Auch kommt es des Öfteren zu Explosionen die eher an Tischfeuerwerkskörper als an Bomben erinnern. Explodierende Flugzeuge zerplatzen meist in tausend Teile und tragen nicht zum Realismus des Films bei.

Screenshot Des Weiteren werden sowohl die real aufgenommenen als auch durch Modelle ausgeführten Flugszenen sehr oft wieder verwendet. Eine weitere Technik die zum Einsatz kommt ist außerdem die Rückprojektion. Da in den Bombern Pilot und Copilot wie in einem Auto nebeneinander sitzen bietet sich diese Technik wie in klassischen Fahrer / Beifahrer Szenen an - die Kamera ist dabei durch die Frontscheibe ins Cockpit gerichtet. So wird dem Zuschauer das Gefühl vermittelt als säße er abwechselnd bei jeder Bombercrew mitten im Geschehen.
Musikalisch wird der Film durch einen orchestralen Soundtrack untermalt, bei dem wie in anderen Fliegerfilmen vor allem Blasinstrumente die zentrale Rolle spielen. nach oben

Fazit

Kampfgeschwader 633 bedient sich in vielen Szenen an klassischen Motiven von Fliegerfilmen: Der Held ist ein sehr guter Pilot und Anführer einer Fliegerstaffel, es entwickelt sich eine Liebesgeschichte, Piloten kommen um, kritische Flugsituation und Notlandungen treten ein vor und speziell für einen Kriegsfilm: Eine riskante, fast unmögliche Mission muss erfüllt werden. Sieht man etwas von der für heutige Verhältnisse leicht zu durchschauenden einfachen technische Umsetzung ab, so lassen sich auch in der Handlung des Films Schwächen erkennen die ihn weniger realistisch aussehen lassen. So wird der Umgang mit dem Tod anderer Menschen sehr einfach dargestellt – Hilde Bergmann bezeichnet in einer Szene ihren Bruder als „Alles was ihr auf der Welt geblieben ist“, kann aber ihrem Helden Grant sofort das Töten des Bruders verzeihen und stellt dies als Erlösung von der feindlichen Folter dar, was die Charaktere aber sicher nicht mit wissen können. Diese Art Handlungslöcher in denen vorher feste Tatsachen und Erwartungen des Zuschauers von einem Moment auf den andern über den Haufen geworfen werden erschweren es den Film ernst zu nehmen. Trotzdem ist der Film. Positiv ist zu erwähnen, dass der vorhandene Konflikt Grants gegenüber seinem Oberkommando und die relativ neutrale Darstellung der Feinde den Film nicht vollständig zu einem simplen Heldenepos Gut gegen Böse machen, sondern ihm ein paar interessante Nuancen verleihen.


 

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